Skitouren in den Schladminger Tauern – Karlspitze – Preber – Großer Knallstein – Hochwildstelle – Kalkspitze

 
 

Die Schladminger Tauern — wohl der »wildeste« Teil der Niederen Tauern — werden begrenzt im Norden vom Enns-tal, südlich durch das Murtal; im Westen reichen sie bis zum Radstädter Tauern­paß, östlich bildet das Sölktal die Grenze. Die größte Nordsüd- wie auch Westost­ausdehnung liegt jeweils bei 40 Kilome­ter. Etwa 1500 Quadratkilometer der Bundesländer Steiermark und Salzburg bedeckt diese Berglandschaft, zwei Drit­tel davon gehören zur Steiermark. Die höchste Erhebung ist mit 2863 Metern der Hochgolling, allerdings kein Skiberg; er wird gelegentlich im Rahmen einer kombinierten Ski-Kletter-Tour bestiegen. Skitouristisch erschlossen mit Bergbah­nen ist vorwiegend die Nordseite der Schladminger Tauern. In ihren Randzo­nen — im Schladminger Raum zwischen Pichl und Pruggern — entstand ein Skizir­kus von internationalem Format, der durch die Alpinen Skiweltmeisterschaf­ten 1982 eine Art Krönung erlebte.

Auch in diesem Gebiet bestätigt es sich einmal mehr, daß die Berge unweit der Rummelplätze einsam sind. Wer als Ski­tourenfahrer Einsamkeit sucht, kommt in den Schladminger Tauern voll auf seine Rechnung. Allerdings gibt es in der Kern­zone auch keine im Winter bewirtschafte­ten Hütten. Im Winter sind die Stützpunk­te nur schwer erreichbar, die Zugänge sehr lawinengefährdet.

Skitourenmöglichkeiten sind in den Schladminger Tauern den ganzen Winter hindurch geboten. Im Hochwinter bilden vor allem die Randberge lohnende Ski­ziele. Die Skitouren-Hauptsaison in die­ser Berggruppe ist jedoch das Frühjahr. Verschiedene nordseitige Rinnen wer­den auch noch im Frühsommer befah­ren. Viele Touren werden überhaupt erst möglich, wenn die langen Gräben eini­germaßen schneefrei sind und die Lawi­nengefahr gebannt ist. Durch diese Täler hat man oft lange Talhatscher in Kauf zu nehmen. Es gibt zwar Forststraßen, aber häufig besteht Fahrverbot; auch Schnee­reste machen eine Befahrung mit dem Auto oft unmöglich.

Weniger anstrengende Touren sind vom Murtal aus geboten, hier sind die Hänge im Durchschnitt nicht so steil. Im Norden sind die Flanken durchwegs steiler und die Berge mehr schrofig. Gipfelbesteigungen verlangen öfters leichte Kletterei (I—II), zum Beispiel Hochwildstelle.

Auch wettermäßig unterscheidet sich die Nordseite von der südlichen; der Haupt­kamm bildet die Wetterscheide. Wäh­rend im Ennstal das Westwetter vor­herrscht, sind die Niederschlagsmengen auf der Murtalseite vorwiegend vom Mit­telmeertief abhängig. Ein Musterbeispiel war der Winter 1980/81; der Raum Schladming hatte Schneemengen wie selten, hingegen gab es im Murtal nach dem Ausbleiben des Mittelmeertiefs nur wenig Schnee.

Die hier beschriebenen Skirouten sollen lediglich einen Querschnitt der vielen Möglichkeiten in den Schladminger Tau­ern darstellen. Skitouren im beschriebe­nen Gebiet sollen aber nur von erfahre­nen Skibergsteigern und guten Skifah­rern durchgeführt werden.

Führer und Karten

Empfehlenswerte Führer und Karten: »Skitouren-Atlas« von Gerhard Hunger, Geobuch-Verlag. »100 einsame Schi­touren in der Steiermark« von Helmut Prevedel, Styria-Verlag. »Skiglück in den Tauern« von Hans Schwanda, Ver­lag Das Berglandbuch. Österreichische Karte 1:50000, Blätter: 127 Schlad­ming, 128 Gröbming, 157 Tamsweg, 158 Stadl an der Mur. Alpenvereinskar­ten 1:50000, Blätter Niedere Tauern II und III (45/2, 45/3).

Hausberg der Einheimischen: Karlspitze, 2212 m

Dieser Berg befindet sich im Kammver­lauf des Großen Knallstein (nördlich). Er ist vorwiegend das Tourenziel Einheimi­scher und für erfahrene Skibergsteiger auch als Schlechtwettertour geeignet. Jedenfalls ist er mit 1200 Metern Höhen­unterschied in nicht allzu schwierigem Gelände ein sehr lohnender Skiberg.

Zufahrt: Aus dem Ennstal — Abzweigung bei Gröbming — über Stein an der Enns in das Kleine Sölktal und durch den Hinter­waldgraben bis zum Gasthof Mössner (989 m).

Aufstieg: Vom Mössner auf gut markier­tem Weg — meist steiles Waldgelände — zur Bröckelkaralm (1677 m). Nach eini­gen weiteren Kehren ist die Waldgrenze erreicht, und es kommt ein schöner, mäßig steiler und fast hindernisfreier Gipfel­hang. Dieser wird in östlicher Richtung gequert bis zu dem Grat, der nach rechts (südlich) zum Gipfel führt.

Aufstiegszeit: 3 1/2