Winter in der Lötschbergregion – Berner Oberland – Winterspaß rund um den Magic Mountain

 
 

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)»Lötschberg — Winterspaß rund um den Magic Mountain« verheißt die Werbebotschaft. Wo täglich im Halb­stundentakt die Züge unterm Berg durchrasen, auf direk­tem Weg in den Süden, bleiben wir an der frischen Luft, entdecken Kandersteg und das Lötschental auf gespurten Pfaden in Weiß.

Nun war vier Nächte und drei Tage fast ununterbrochen Schnee gefallen, ein guter, kleinflockiger, haltbarer Schnee, und in der letzten Nacht war er glashart gefro­ren. Wer nicht täglich vor seiner Tür gefegt und geschaufelt hatte, war jetzt belagert und musste zur Hacke greifen, um Hauseingang, Kellertor und Kellerluken freizulegen … Und doch war es ein Tag, den die Stadtleute keinem Malerglauben würden, viel jubelnder, blauer und blendender als der lachendste Hochsom­mertag. Der Himmel stand rein und blau bis in unendliche Fernen offen, die Wälder schlie­fen unter dickem Schnee, die Berge blendeten wie Blitze oder leuchteten rötlich oder hatten lange, märchenblaue Schatten an, und zwi­schen allem lag glasgrün der noch nicht gefro­rene See …«

Winterwandern in Kandersteg — das ist, wie bei Hermann Hesse beschrieben. Rund um die Kirche liegt fester Schnee, die Loipen im Langlaufdorado sind ge­spurt und über dem Dorf am Lötschberg­tunnel strecken Blüemlisalp, Dolden-und Fründenhorn ihre frisch verschnei­ten Gipfel dem blauen Himmel entgegen. Am Fuße ihrer Steilwände liegt versteckt der Oeschinensee, im Sommer ein belieb­tes Ausflugsziel.

Eiskaltes Erlebnis: zwei Seen im Winterschlaf

Zum Glück befördert die nostalgische Sesselbahn nicht nur in der warmen Jahreszeit die Ausflügler eine Etage höher. Unverfrorene Naturen steigen auch im Winter in die hölzernen Sessel, schlingen die kratzenden Wolldecken um die Beine und schweben hinauf. Open-Air-Erlebnis über Kandersteg, kalte Nasen inklusive. Nicht mehr lange lässt sich diese luftige Fahrt genießen, werden doch bald die alt­ehrwürdigen Sessel durch eine neue Bahn abgelöst.

Aussteigen bei der Bergstation Oeschi­nen. Man wird gleich warm, quert man doch zu Beginn recht flott die Pisten des kleinen Skigebietes, dann wird’s einsam. Der Weg taucht ein in den Wald, verläuft mit wenig Gefälle zum Naturwunder des Oeschinensees. Leuchtend-blau im Som­mer, fast schon schwarz, am Rande mit ei­ner Eisschicht bedeckt, im Winter. Oder, wie Hesse schreibt, »… spiegelhell in der Nähe, und in der Ferne dunkelblau und schwarz, von glänzenden schneeweißen Landzungen rings umfasst …«.

Ist die Eisdecke im Verlauf des Winters dann genügend dick, bohren schon mal die Fischer ein Loch ins Eis, trauen sich auch Langläufer und Winterwanderer auf den zugefrorenen See. Wer zum 0e­schinensee spaziert, hat keine strenge Wanderung vor sich; im Fokus liegt der Landschaftsgenuss. Ist hellwach und staunt über Blüemlisalp, Dolden- und Fründenhorn — im Winterschlaf liegt hier höchstens der See. Wir erkennen die Lücke des Hohtürli, im Sommer eine schweißtreibende Passwanderung, kön­nen mit bloßem Auge die Blüemlisalp­hütte entdecken. Diese liegt 1152 Meter höher – eingeschneit. 417 Meter tiefer liegt Kandersteg und bietet uns im Winter bescheidenere Ziele an. Gespurte Wande­rungen rund ums Dorf oder an der rau­schenden Kander entlang zum stillen Blausee.

Der Gemmipass, ein Klassiker auch im Winter

Er galt lange Zeit als gefürchteter Über­gang vom Berner Oberland ins Wallis: der Gemmipass. Unklar ist, woher der Name Gemmi stammt, nicht belegt ist, wann er zum ersten Mal überschritten wurde und ungewiss ist auch, ob die ansonsten über­all präsenten Römer je dort oben waren. Sicher ist, dass Säumer und Handelsrei­sende über den Pass pilgerten, später ka­men Lenin, Picasso, Mark Twain und Alexandre Dumas. Heute hat die einst­malige Handelsroute nur noch für Wan­derer Bedeutung.

Doch nicht nur im Sommer wandert man unter Altels, Balm- und Rinderhorn hinüber ins Wallis. Seit einigen Jahren wird dieser Weg auch im Winter gespurt. Für Winterwanderer mit etwas Ausdauer eine tagesfüllende Angelegenheit. Er­schlossen mit je einer Luftseilbahn auf Berner und auf Walliser Seite sind somit Auf- und Abstiege bequem, man kann sich aufs Wesentliche konzentrieren: den Weg, der seine Spur durch die Spittel­matte zieht. Hier verläuft die Grenze zwi­schen den Kantonen Bern und Wallis und nicht, wie man annehmen sollte, auf dem Gemmipass. Ein ungewöhnlicher Grenz­verlauf, der für einmal nicht der Wasser­scheide folgt.

Vor den steinernen Mauern des Berg­hotels Schwarenbach lässt es sich auf hal­ber Strecke gemütlich sitzen, ehe der ein­zige ernstzunehmende Anstieg folgt: hinauf zum zugefrorenen Daubensee. Ein Langlaufparadies, das hauptsächlich von Wintersportlern, die von Leukerbad mit der Seilbahn heraufschweben, ge­nutzt wird. Ein letzter Anstieg und wir stehen nach drei Stunden Wintererlebnis auf dem Gemmipass. Einsame Klasse ist sowohl die Rundsicht aufs Walliser Hochalpenpanorama als auch der Tief­blick hinab ins verschneite Leukerbad. Und dort, wir wissen es längst, haben die Römer einst heiße Quellen entdeckt. In denen dürfen sich heute auch müde Win­terwanderer aufwärmen, ehe es zurück nach Kandersteg geht — natürlich mit der Bahn durch den Lötschbergtunnel.

»Und auch darum sind solche Schnee­tage so lang, weil der reine Winterhimmel und die Unbändigkeit des Lichtes uns klein und froh zu Kindern macht, so dass wir noch einmal die Erde im Glanz der Schöpfung sehen und noch einmal ohne Bewusstsein der Zeit wie Kinder hinle­ben, von jeder Stunde überrascht und kei­nes Aufhören gewärtig. So ging es mir, als ich gegen das Ende dieses Tages von einer weiten Wanderung zurückkehrend, beim Verlassen des schon finsteren Wal­des mein Dorf im roten Abenddufte da­liegen sah.« Wir wissen nicht, in welches Dorf Hermann Hesse nach langer Winter­wanderung am Abend zurückkehrte. Einsam war’s wahrscheinlich, im Jahre 1905, als er seinen »Winterglanz« zu Pa­pier brachte. Wir wissen auch nicht ,wo er sein müdes Haupt bettete, Gasthöfe gab es damals nur sehr wenige.

Heute ist das anders; Kandersteg ist ei­ner der wichtigsten Fremdenverkehrs­orte im Berner Oberland. Trotzdem ist es beschaulich geblieben. Durchgeschüttelt wurde der Ort einzig zwischen den Jah­ren 1906 und 1913 während des Baus des Lötschbergtunnels. Und auch heute fres­sen sich wieder die Bohrer durch das Ge­stein. Der Lötschberg-Basistunnel zwi­schen Frutigen im Berner Oberland und Raron im Wallis ist das Projekt der Zu­kunft, ist Teil der Neuen Eisenbahn-Al­pentransversale (NEAT). Der Durchstich im Frühjahr 2005 war erfolgreich, die Lange des Tunnels beträgt von Portal zu Portal 34,6 Kilometer. Ab dem Jahr 2007 dann soll das Straßennetz vom Schwer­lastverkehr entlastet werden, die Tran­sitzüge von Deutschland über Basel, Bern, Thun, Frutigen, Raron und Brig nach Italien verkehren.