Klettern rund um die Rudolfshütte

 
 

Komfort inbegriffen Rund um das Alpinzentrum Rudolfshütte in der Goldberggruppe in den Hohen Tauern gibt es eine ganze Reihe kurzer und längerer Routen im fünften und sechsten Grad. Ein Gebiet für Kletterer, die kurze Zustiege lieben. Hans Bärnthaler, Hans Gregoritsch und Thomas Junker stellen es vor.

Neben einer Vielzahl an alpinen Touren in Fels und Eis (z. B. Granatspitze-Überschreitung, Hocheiser-Südgrat, Eiskögele-Nord­wand) bietet das Gebiet rund um die Rudolfshütte viele in­teressante kürzere und länge­re Kletterführen im V. und VI. Schwierigkeitsgrad. Zentrum des sportlichen Kletterge­schehens ist dabei der Für­legpfeiler mit 15 eigenständi­gen Führen zwischen 100 und 150 Meter Wandhöhe. Weitere kurze Klettereien bis zu 100 Meter Wandhöhe findet man in der Schafflkogel-Ostwand. Wer längere Touren liebt, wird unter anderem am SW-Pfeiler des Totenkopfes (V) oder am Schafflkogel-NO-Pfeiler (V+, Al) seine Freude finden. Nach­folgend eine Auswahl der schönsten Touren rund um die Rudolfshütte, die eher ei­nem geschäftigen hochalpi­nen Hotel gleicht als einer be­schaulichen Bergsteigerun­terkunft. Dafür bietet das Haus für Schlechtwettertage einen großen Vorteil, nämlich einen ins Alpinzentrum integrierten, künstlichen Klettergarten.

Kurze Klettereien am Fürlegpfeiler, 2831 m

liesl drah di topoDer südöstliche Vorgipfel (P. 2831 m) des Hochfürleg‑Hauptgipfels ist heute das Zentrum des Klettergeschehens im Tourenbereich der Rudolfshütte. Dieser P. 2831 wird heute von den Kletterern „Fürlegpfeiler ” genannt. Die erste Route an diesem Pfeiler gelang im Jahr 1934 der Seil­schaft Schinko-Bischofsber­ger, gleichnamige Führe, IV. Die moderne Erschließung be­gann dann im Sommer 1983 mit der Erstbegehung der Route „Weg der Freunde”. Als Haupterschließer gilt hierbei Hans Bärnthaler.

Den Fürlegpfeiler erreicht man von der Rudolfshütte aus in östlicher Richtung auf dem Weg zur Sonnblickscharte. Vom Alpinzentrum hinunter zur Staumauer, über diese hin­weg und auf dem Hans-Gru­ber-Weg und über das Sonn­blickkees zum Fürlegpfeiler, etwa eineinhalb Stunden. Abseilpiste: Entlang der Rou­te „Dschingis-Khan” existiert seit Oktober 1983 eine leicht auffindbare Abseilpiste. Mit ei­nem 50-Meter-Seil befahrbar. Bei den Routen „Rentnerweg”, „Liesl drah di”, „Hansiweg”, „Steirerplatte” und „Via Alexan­dra” ist der Abstieg über den Pfeilergipfel am günstigsten, bei der Route „Dschingis­Khan” ist die Benutzung der Abseilpiste vorteilhafter.

Rentnerweg topo„Rentnerweg” V

Der „Rentnerweg” ist eine schöne, mittelschwere Klet­tertour in für diesen Schwie­rigkeitsgrad ausgesprochen schönem Fels. Die Erstbege­hung gelang Hans Bärnthaler mit Ewald Lidl am 5. 8. 1984 in eineinhalb Stunden. Der Rent­nerweg enthält eine Stelle im V. Schwierigkeitsgrad (gleich in der ersten SL), sonst IV und leichter. Der Einstieg befindet sich etwas links der Gipfelfalllinie, ist aber leicht zu finden, da das Zeichen „RW↑” in den Felsen gemeißelt ist. Alle Ha­ken wurden belassen, einer befindet sich bei der Schlüs­selstelle in der ersten Seillän­ge, der andere ist der Stand­haken nach der ersten Seillän­ge. Stopper und Friends mitt­lerer Größe werden benötigt.Der Einstieg zu dieser Route befindet sich bei einem mar­kanten Dschingis-Khan topoPiazriß (Handriß). „Dschingis-Khan” führt an der rechten Begrenzungskante des Abseilweges empor. Fünf Haken befinden sich in dieser Tour, vier Zwischenhaken und ein Standhaken. Die Schwie­rigkeit liegt überwiegend bei IV und V—, in der dritten Seil­länge ist eine Passage V+. Auch in dieser Route sind Klemmkeile und Friends in mittlerer Größe recht brauch­bar. Die Erstbegehung erfolg­te durch Hans Bärnthaler und Ewald Lidl in zwei Stunden am 4. 8. 1984.

Mit dem „Hansiweg” und den „Steirerplatten” zählt diese Führe sicher zu den schön­sten Routen in der Fürlegpfei­ler-Südwand. Die begeistern­de Kletterei gelang am 20. 9. 1985 Hans Bärnthaler mit Liest Maurer. Der Einstieg zu dieser mit Platten und Piazris­sen versehenen Führe: Im zentralen Wandteil bietet die Wand eine schwache Stelle (links der steilen Plattenzone von „Adrenalin”). Hier ist am Wandfuß ein deutlicher Pfeiler vorgelagert. Einstieg in die Verschneidung links des Pfei­lers.

Insgesamt gibt es eine Stelle VI— und zwei Passagen V+, der Rest liegt zwischen IV und V, der obere Teil bei II bis Ill. Alle Haken wurden belassen: Dies ist vor allem in der zwei­ten Seillänge recht ange­nehm, da hier der Fels klemmkeilfeindlich ist. Trotzdem wer­den zusätzlich Keile (vor allem kleine) und Friends (1,5 bis 2,5) gebraucht.

Hansiweg topo„Hansiweg” VI

Der „Hansiweg” wurde am 3.9. 1983 in vier Stunden von Hans Bärnthaler und dem Hüttenwirt der Rudolfshütte, Hans Gregoritsch, erstbegan­gen. Aus den Vornamen der beiden ergibt sich der Führen-name. 40 Meter links oberhalb der „Schinko-Bischofsberger­Führe” liegt unterhalb eines markanten Piazrisses (Haken) der Einstieg zu der steilen, teil­weise senkrechten Riß- und Plattenkletterei in kompactem Granit, die eine Passage im Schwierigkeitsgrad VI hat und sonst fast durchgehend VI — und V+ ist (nur im oberen Teil leichter). Insgesamt wur­den zehn Haken belassen, an­zuraten sind dennoch zusätz­lich Klemmkeile und Friends.

Steirerplatte topo„Steirerplatte” VI—

Diese fantastische Platten­kletterei in Traumfels führt über die Platten direkt in Gip­felfallinie empor. Ewald Lidl und Hans Bärnthaler haben diese Route, die meist den V. Schwierigkeitsgrad aufweist und eine Stelle VI— hat, am 5. 8. 1984 erstbegangen. Da­bei haben sie alle verwende­ten Haken belassen, aber es sind zusätzlich Friends und Keile nötig. Der Einstieg ist mit einem eingemeißelten „S. P.”-Zeichen markiert.

Via Alexandra topo„Via Alexandra” VI

Diese Führe ist die jüngste am Fürlegpfeiler. Im vergangenen Herbst, am 2. 10., gelang Hans Bärnthaler, Stefan Eder und Reinhold Schmuck diese stei­le Rißkletterei, die wohl zur Zeit im Tourengebiet der Ru­dolfshütte einmalig sein dürf­te. „Via Alexandra” liegt im lin­ken Wandteil zwischen „Klei­ner Pfeiler” und „Rentnerweg”, Schwierigkeitsbewertung: eine längere Passage VI, der Rest IV bis VI—. Alle verwen­deten Haken (sechs Stück) wurden belassen. Zwingend erforderlich sind zusätzlich Friends der Größen 2 und 3 und Klemmkeile!

Touren am Schafflkogel, 2587 m

Am Schafflkogel, im AV-Führer auch Schafflkopf, besser ge­sagt in dessen Ostwand, gibt es einige (bisher vier) interes­sante Touren im Schwierig­keitsbereich V+ bis VI+, Al. Die Schafflkogel-Ostwand liegt nordwestlich der Ru­dolfshütte. Wie schon beim Weg zum Fürlegpfeiler werden die Staumauer überquert und der Hans-Gruber-Weg einge­schmetterling toposchlagen. Dieser wird jedoch nach rund 150 Höhenmeter nach Norden verlassen. Nun fast waagrecht zum Fuß der Wand.

Eine drei Seillängen lange, ex­treme Platten- und Rißklette­rei, überwiegend IV bis VI —, eine Stelle in der zweiten Seil­länge VI+. Herzstück ist in der Mitte der zweiten Seillänge ein markanter Faustriß. Der Einstieg zu dieser Route liegt am tiefsten Punkt des mar­kanten Plattenpfeilers links des Blumenpfeilers. Der Ab­stieg erfolgt im Sinne des Auf­stieges nach links über Schro­fen direkt zum Einstieg der Route „Letzter Tango”. Auch hier sind alle Haken belassen worden von den Erstbege­hern (Hans Gregoritsch, Ste­fan Eder und Reinhold Schmuck am 22. 7. 1984), es werden jedoch der letzte tango topozusätzlich Klemmkeile und Friends (mitt­lere Größen) benötigt.

Diese kurze, sportliche Klet­terroute in bestem Fels (Aus­stiegsseillänge leider teilwei­se flechtig) dürfte zu den schwierigsten Routen in die­sem Gebiet rund um die Ru­dolfshütte gehören. Sie ist nie leichter als V+, überwiegend jedoch in den Schwierigkeits­graden VI, VI— und V+ sowie eine Stelle VI+ und einige Me­ter Al. „Der letzte Tango” bie­tet vor allem Riß- und Ver­schneidungskletterei in sencrechtem Fels. Alle Haken (fünf) wurden belassen, unbedingt notwendig für Nachsteiger sind mehrere Friends der Grö­ßen 2 und 3 sowie ein Klemm­keilsortiment.

„Plattenzauber” am Hohen Kasten, 3192 m

Stellvertretend für die vielen interessanten langen Kletter­routen im Gebiet (Eiskögele­Kastengrat, Totenkopf-Süd­pfeiler, Schafflkogel-Blumen­pfeiler) sei hier die wohl der­zeit schwierigste Route der Glocknergruppe vorgestellt, die Route „Plattenzauber” (VI) in der direkten Nordwand des Hohen Kasten, 3192 Meter. Die erste und bisher einzige Plattenzauber topoBegehung gelang Hans Bärn­thaler und Hans Gregoritsch am 23. 7. 1983 in acht Stun­den. Sie bewerten den „Plat­tenzauber” mit VI (zwei Seillän­gen), V und V+ (drei Seillän­gen), ansonsten Ill bis IV+; eine ausschließlich freie Plat­ten- und Verschneidungsklet­terei an überraschend gutem Fels, in den letzten sechs Seil­längen traumhafte Platten­kletterei. Alle Haken wurden belassen, zusätzlich sind Klemmkeile aller Größen (auch Friends) zu empfehlen. Übersicht: Vom Hohen Kasten fällt eine markante Platten­wand in den Odenwinkel ab, über die der neue Anstieg führt. Im unteren Teil führt er an einem geneigten Plat­tenpfeiler links der Frühsom­merschneefeldzone empor, überwindet den markanten Plattenwulst im linken Wand­teil und führt dann durch die auffallenden Platten empor zum Westgipfel des Hohen Kasten.

Der Einstieg befindet sich am linken höchsten Punkt des am weitesten hinaufreichen­den Eisfeldes. Der Einstieg liegt in der Fallinie einer deutlichen, zumeist nassen Verschneidung (Randkluft!).

Zugang: Vom Alpinzentrum Rudolfshütte auf ausgebau­tem Steig in den Odenwinkel und links von dem am tiefsten herabreichenden Felssporn empor; zwei schwere Berg­schründe überwindend zum Einstieg.

So kommen Sie hin

Talort Uttendorf/Stubachtal. Von München aus über LoferZell am See oder über Kitzbühel-Paß Thurn-Mittersill zu er­reichen. Mit Bus oder Auto bis Enzingerboden/Weißsee und von dort mit der Seilbahn bis hundert Meter vor die Hütte. Die Rudolfshütte hat 180 bis 200 Betten, verfügt über Hallen­bad, Sauna und Fitneßraum und zudem über einen ins Haus integrierten Kletterturm. Das Haus ist ganzjährig geöffnet.