Die Handeggwände am Grimselpaß + Topo – klettern

 
 

leiten in eine Rißverschneidung, die Rotpunktambi­tionen werden kurz vor dem Stand mit blitzartiger Verhärtung der Unterarm­muskeln belohnt, latente Panik verfliegt am Stand. Über der Steilstufe neuerlich gelbbraune Plattenschüsse, das Auge findet kaum Halt, man tastet sich von Bohrhaken zu Bohrhaken über die Plat­ten; einige „run outs“ machen den ner­venberuhigenden Griff in den Magnesia-Beutel erforderlich, zwei Bohrhaken, der Stand. Das Doppelseil schlängelt seinen farbigen Kontrast über die gelbglatte Platte, tief unten das Einstiegsband, Farbtupfer Rucksack, noch weiter drun­ten die Paßstraße und das Restaurant Handegg — sogleich macht sich Durst bemerkbar, schnell den Blick in andere Richtungen lenken, nein, aufpassen! Der Freund hat Differenzen mit der Reibung; warum soll er es mir nicht gleichtun und auch einmal einen Bohrhaken testen — fünf Meter sind schnell gerutscht. Etwas Konzentration läßt den Aufschwung leichter werden, Stand, Wandbuch, Quer­gang zur Abseilpiste, zehnmaliges Hin­abfahren über die „Benzinplatte“, der Weg zur Handegg wird kürzer.

Über die „Benzinplatte“, unsere gestrige Abseilpiste, wollen wir heute hinaufklet­tern. Schon beim Abseilen konnten wir feststellen, daß hier kleingriffige Wand­kletterei dominiert, daß allerdings die wenigen Reibungsstellen um einiges steiler sind als am „Siebenschläfer“. Schon die zweite Seillänge stellt uns vor ernste Probleme; die Beschreibung sagt „VII, Al „, wir verbeißen uns in die Idee, daß es ganz frei gehen muß. Langes Üben, viele — wieviele? — Flieger, dann ist Wolfgang über die Stelle hinweg, zwei dynamische Züge (sprich Anspringen von Leistchen), noch VII, oder bereits mehr? Der Quergang vom Stand, als Seilzugquergang gedacht, etwa 60 Grad steile, gelbrote, glänzendglatte Platte — erster Gedanke „unmöglich“. Aber wir haben ja Zeit, die Haken sind ebenso gut wie das Wetter; der ,,Kletter­gartenbiß“ stellt sich ein, es muß einfach gehen — und sieh an, es geht, einzige Devise ist, nicht stehenzubleiben und schneller zu klettern als die quietschen­den Sohlen auf der Platte wegzurutschen drohen. Weiter oben einigen wir uns, unsere schönste Granitseillänge geklet­tert zu haben. In der letzten schwierigen Seillänge — schade, aber es gibt (Gott sei Dank) Grenzen — müssen wir nach ausgiebigstem Probieren und „chalken“ doch einen Haken zur Fortbewegung nehmen; unsere Freude bleibt ungetrübt. Abseilen in der tiefstehenden Nachmit­tagssonne, hervorragend eingerichtete Piste, immer zwei Bohrhaken mit einer Kette verbunden — Sicherheit ist Trumpf in den Handeggwänden.