RODELHEILSPITZE Nordwand – Dolomiten/Sellagruppe V+

 
 

Die Nordabstürze der Sellagruppe entgehen kaum einem Be­sucher des Grödnerjoches, besonders die Murfreidspitze („Schiefer Tod“) sowie die Rodelheilspitze sind kaum zu übersehen. Letztere heißt im Ladinischen „Sass da la Lúesa“ (Lúesa Rodel) und bildet den nördlichsten Vorsprung der gesamten Sellagruppe. Sie stürzt gegen Norden und Nordosten mit senkrechten, gelb und schwarz gestreiften, etwa 300 Meter hohen Wänden ab, von Süden her stellt sie lediglich eine unwesentliche Ausbuchtung des großen Schuttbandes dar, das vom Piz de Ciavazes bis zur Pisciaduhütte streift. Ein Grasrücken, dessen Hochpunkt Col de Frea, 2234 Meter, heißt, vermittelt den Zustieg.

Abendstimmung am Groednerjoch - Campidelturm, Rodelheilspitze und MurfreitspitzeTrotz guten Gesteins und logischer Linienführung haben die Kletterrouten bergsteigerisch gesehen den Schönheitsfehler (viel­leicht auch Annehmlichkeit?), auf einem breiten Schuttband zu enden. Die Aussicht von der Rodelheilspitze ist sehr schön und lohnt allemal einen Spaziergang während eines Aufenthaltes auf der Pisciaduhütte.

Stützpunkt:

Grödnerjoch, 2121 Meter; mehrere Unterkunftsmöglichkeiten an der Paßstraße.

Übersicht:

Die Führe hält sich an den auffallenden, schwarzen Wasserstrei­fen, der rechts des Vorbaues durch die N-Wand zieht und oben in einen markanten Kamin übergeht.

Rodelheilspitze topo 01Zugang:

Vom Grödnerjoch über den gegen Süden hochziehenden Gras­rücken — anfangs dem Weg zur Pisciaduhütte (Nr. 666) folgend — gerade hinauf zum Col de Frea und auf Gras und Geröll weiter zum Einstieg in Fallinie des oben erwähnten Wasserstreifens, wo sich das Geröll in die N-Wand zuspitzt, 40 Minuten.

Führe:

G. B. Vinatzer und G. Riefesser am 21. August 1933 (Lo Scarpone, 15. 11. 1933). V+, meist IV und V, selten leichter. Fast ausschließ­lich Riß- und Kaminkletterei in meist festem Fels.

Sehr empfehlenswerte, ernste Freikletterei; verhältnismäßig selten begangen. Die wenigen vorhandenen ZH und SH sind oft schlecht, so daß ein Sortiment Klemmkeile bzw. Haken notwendig ist. Wandhöhe etwa 250 Meter, Kletterlänge etwa 300 Meter. 31/2 bis 4 Stunden.

Rodelheilspitze topo 021.  SL: Gerade empor zu einem Absatz, schräg links hinauf und nach rechts zurück in die Verschneidung, in ihr unter ein Dach, darunter rechts hinaus zu Stand auf einem Band (35 Meter, V+, 2H).

2.  SL: Durch die Rißverschneidung etwa 12 Meter empor unter einen Überhang und nach links hinaus zu Stand auf einem weite­ren Band, keine SH (25 Meter, V+).

3.  SL: Etwa 4 Meter gerade empor und Quergang nach rechts zu 2H, unter einem Dach weiter nach rechts, dann gerade empor und nach links in einen Riß, der zu Stand führt (40 Meter, V+, 5H).

4.  SL: Rechts hinauf, dann nach links unter einen Rißüberhang, darüber hinweg und im Riß weiter zu einem Block, an ihm nach rechts hangelnd zu Stand auf einem Band (35 Meter, V+ und V—, 3H).

5.  SL: Nun 3 Meter nach rechts und in herrlicher Rißkletterei durch einen schwarzen Schulterriß zu Stand an einem Klemmblock 2 (40 Meter. V. 1H)

Sass de la Luesa - Sass dla Luesa-Rodelheilspitze-Links-sinistra la piccola-die kleine-Sella-Terra Ladina6.  SL: Im Riß hinauf unter einen brüchigen Überhang, unter ihm nach links und an seiner schwäch­sten Stelle darüber hinweg in einen Kamin (eine Engstelle), darin zu Stand in einer Schuttrinne (40 Me­ter, V+ und V, 3H).

7.  SL: Im Kamin empor unter einen riesigen Überhang, den man rechts (brüchig) überklettert, durch eine Schuttrinne zu Stand (40 Meter, IV, V+ und II, 1H).

8. SL: Durch die Schuttrinne weiter, oben über Stufen nach rechts hin­aus zum Gipfelgrat (30 Meter, III und II).

Abstieg:

Über Schutt anfangs in südlicher Richtung zum oberen Ausgang des Val Setus, auf einem vielbegange­nen Steig durch dieses hinab und nach Westen zurück zum Grödner­joch, 45 Minuten.