Skitour am Tauernhauptkamm – Glocknergruppe

 
 

Mitten in der Glocknergruppe ge­legen bietet dieser Grenzkamm zwischen den Ländern Salzburg und Kärnten einige leicht ersteigbare Skigipfel, die sich gut zu einer (langen) Tagestour im Angesicht des alles überragen­den Großglockners verbinden lassen.

Das zeitige Frühjahr garantiert größte Einsamkeit und damit erlesenen Genuß in diesem sonst überlaufenen Gebiet, doch sollte man für die hier vorgeschlagene Unternehmung trotz Fehlens ski­fahrerischer und bergsteigeri­scher Schwierigkeiten folgendem Beachtung schenken: Ein über­langer und stellenweise lawinen­gefährdeter Anmarsch zur Hof­mannshütte längs der sommers von Autos überfüllten, jetzt aller­dings schneebedeckten Glock­nerstraße mit anschließendem Zwischenabstieg zur Pasterze er­fordert gute Kondition und siche­res Urteilsvermögen, die große Entfernung zur nächsten Sied­lung gestattet keinen Unfall, und nicht zuletzt muß bei plötzlichem Nebeleinbruch oder dichtem Schneefall die Weiträumigkeit der Gletscher rund um den Riffl­winkel beachtet werden.

Skitour am Tauernhauptkamm - tourenskizzeNach der alljährlichen Öffnung der Glocknerstraße verliert das Gebiet einen guten Teil seines Ernstes, aber mit ihm auch seine faszinierende Einsamkeit, kann man doch dann bequem mit dem Auto auf der Franz-Josefs-Höhe vorfahren un,d in einer halben Stunde über den Promenaden­weg zur Hofmannshütte gelan­gen.

Die nachfolgende Beschreibung wendet sich an jene, welche die Herausforderung annehmen, den langen Skimarsch zur Hofmanns­hütte als Vorspiel auf sich zu nehmen. Nebenbei möge darauf hingewiesen werden, daß man von der Rudolfshütte (hierher mit Seilbahn) durch die Obere Öden­winkelscharte technisch nicht ganz leicht un,d ebenfalls müh­sam die Oberwalder Hütte nord­westlich der Hofmannshütte er­reichen kann.

Talort: Heiligenblut (etwa 1300 m). Hierher gelangt man auf gu­ter Straße aus dem Raum Lienz in Osttirol.

Ausgangspunkt: Man fährt mit dem Auto auf der unmittelbar oberhalb Heiligenblut geräumten Glocknerstraße bis Roßbach (1750 m, hierher auch mit Lift).

Zur Hütte: Ohne Schwierigkei­ten auf der zugeschneiten Stra­ße zum Kasereck, dann etwas abfahrend zum „Trog“ und wie­der sanft bergauf zur Abzwei­gung Guttal (Fusch/Heiligenblut/ Franz-Josefs-Höhe). Nun in süd­südwestlicher Richtung und nach einigen Schleifen gegen West­nordwest zum schon von weitem sichtbaren Karl-Volkert-Haus (2154 m, keine Übernachtungs­möglichkeit im Winter). Rasch gelangt man jetzt zum Glockner­haus (ÖAV, doch kein Winter­raum) und privaten Pasterzen­haus. Zunächst längs der Straße weiter, doch bald kann man ab­kürzend direkt zu ihrer obersten Rampe aufsteigen. Auf ihr schwenkt man um das Freiwandeck, geht an den leeren Park­hallen vorbei und steigt am En­de der Straße über die Treppe der Standseilbahn hinab auf die Pasterze (2200 m). (Der Tunnel­eingang des Promenadenweges ist im Winter verschlossen.) Jetzt beginnt die letzte Etappe des langen Weges. Über den flachen Gletscher bis auf etwa 2300 Meter hoch und mittels einiger Serpentinen in allgemein östlicher Richtung empor zur Hofmannshütte (2444 m, Winter­raum, AV-Schloß). Dieses letzte Stück kann bei schlechter Sicht (Nacht, Nebel) Mühe bereiten. Mindestens 8 Stunden von Roß­bach.

Tour: Von der Hütte sanft an­steigend so weit in nordwestli­cher Richtung, bis man hinter dem Elsberglgrat des Fuscher­karkopfes nach Norden ein­schwenken kann. Ohne Schwie­rigkeiten gelangt man bald zur genau östlich der Oberwalder Hütte liegenden Fuscherkar­scharte (etwa 2840 m); 1 1/2 Std. Aus der Scharte nach Norden empor und über das allmählich flacher werdende Gelände zum weiten Gipfel des Breitkopfes (3152 m); 1 Std. Unschwierig in die nahe Bockkarscharte hinab und zuerst sich südlich haltend, dann nach Nordwesten drehend auf das weite Gletscherfeld des Obersten Pasterzenbodens, das man südlich des Eiswandbichls betritt.

Von hier direkt auf den Vorderen Bärenkopf (3250 m); 1 1/2 Std. Diesen Gipfel verläßt man längs des Aufstiegsweges, doch schwenkt man schon bald nach Westen um und geht — ohne die Felle anzulegen — auf das Schuttseitköpfel (3193 m); 1/2 Std. Nach einer großen Links-Rechts-Schleife betritt man an­schließend mühelos die westlich gegenüberliegende Hohe Riffl (3346 m); 3/4 Std.

Genau nach Süden sehr flach hinab zur Oberen Ödenwinkel­scharte (3233 m) und nun steiler in südöstlicher Richtung über den Nordgrat des Johannisber­ges auf seinen Gipfel (3463 m); 1 Std.

Über dessen obersten Ostgrat hinunter und — sobald es die Verhältnisse erlauben — nach Südwesten bis auf eine Höhe von etwa 3200 Meter. Nun hält man sich westlich und steigt dann aus dem Schneewinkel steil zur Scharte zwischen dem Eis­kögele und Schneewinkelkopf empor. Der Südostgrat des Eis­kögeles vermittelt schließlich den Zugang zu seinem Gipfel (3436 m); 2 Std.

Längs des Aufstiegsweges zu­rück in den Schneewinkel, aus dem man — möglichst Höhe spa­rend — über den Obersten Pa­sterzenboden zur westlich davon herrlich auf dem Großen Burg­stall gelegenen Oberwalder Hüt­te (2973 m) abfährt (Winterraum, AV-Schloß). In einem großen Bo­gen durchmißt man anschließend dien Wasserfallwinkel, um so südlich der Fuscherkarscharte wieder auf den Anstiegsweg zu treffen. Über diesen zurück zur Hofmannshütte. Insgesamt etwa 10 Std.

Der Rückmarsch von der Hof­mannshütte nach Heiligenblut vollzieht sich längs des Zustie­ges. Bei sicheren Verhältnissen kann man auch über den Unte­ren Pasterzenboden und durch anschließendes Umfahren des Stausees Margaritze mit einem kurzen Gegenanstieg zum Glock­nerhaus und damit auf den Zu­stiegsweg gelangen.

Karten, Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, Glocknergruppe; Alpenvereinsführer Glockner- und Granat­spitzgruppe (Peterka), Bergver­lag R. Rother.