MONT PELVOUX – Mont Puiseaux 3946m Nordwand (Faurastier-Führe)

 
 

MONT PELVOUX

Der Mont Pelvoux ist einer der höchsten und schönsten Gipfel im Dauphiné. Eine ganze Reihe der bekanntesten Anstiege der Grup­pe führen auf seinen Gipfel, die allerdings ausnahmslos den erfah­renen Westalpinisten erfordern. Teilweise brüchiges Gestein und hin und wieder Steinschlaggefahr machen auch die im folgenden vorgestellte Route zu einem ernsten Unternehmen, das zu den ganz großen Führen der Westalpen zählt.

Pt. Puiseaux 3946m Nordwand (Faurastier-Führe)

M. Fourastier, A. Manhès, 22./23. 8.36. V+ (kombiniert), meist IV und Ill, Eisfeld 45°. Eine der ganz großen Klettereien der West­alpen, im Stil der Kletterei sowie in seinen Anforderungen gut mit der Crozführe an den Grandes Jorasses zu vergleichen. In den schwierigen Stellen fester Fels, in den leichteren Passagen stellen­weise brüchig, das Eisfeld im unteren Wandteil ist stark stein-schlaggefährdet. Selten begangen, kaum Haken (etwa sechs) vor­handen, einige Messerhaken mitführen! Doppelseil anzuraten (scharfkantiger Fels, starker Steinschlag im unteren Wandteil). Wandhöhe 1000 Meter, Zeit 10 bis 16 Stunden (mit einem Biwak sollte gerechnet werden).

Stützpunkt

Keiner, Biwak am Balmes de Francois Blanc oder an der rechten Begrenzung des Glacier Noire.

Übersicht

Die Wand baut sich aus drei Teilen auf: das untere Drittel besteht aus einem Grat, der links von einem großen Eisfeld begrenzt wird. Man kann den Grat links umgehen, doch empfiehlt sich wegen des Steinschlags eine direkte Begehung des Grates. Das zweite, etwa 300 Meter hohe Drittel besteht aus einem gelben Aufschwung, der von drei Türmen markiert wird. Der letzte Teil bietet die schwierig­sten Stellen und erfordert 300 Meter Wandkletterei in meist festem Fels.

Zugang

Von Pré de Mdme. Carle (Refuge Cézanne) in etwa drei Stunden zum Wandfuß. Oberhalb des Refuge Cézanne folgt man dem Weg zum Glacier Blanc etwa 100 Meter und folgt dann der rechten Begrenzungsmoräne des Glacier Noir. An deren Ende überquert man den Gletsdher bis zu guten Biwakplätzen am östlichen Aus­läufer des Pic Coolidge. Von hier in 30 Minuten unter den Wand­fuß, der Einstieg befindet sich zwischen zwei Felspfeilern.

Führe

Siehe Detailskizze.

Abstieg

Nach Süden durch das Couloir Coolidge hinab zur Pelvoux-Hütte, zwei bis drei Stunden bzw. nach Osten über den Violettesgletscher direkt nach Ailefroide (Beschreibung siehe Couloir Chaud), vier bis sechs Stunden.

 

LES TROIS DENTS DU PELVOUX

Die dem Mont Pelvoux östlich vorgelagerten Gipfel der Trois Dents du Pelvoux sind bergsteigerisch kaum von Bedeutung. Erst die in den 50er und 60er Jahren eröffneten sehr schwierigen Eisrouten auf der Nordostseite und die Felsrouten in der Ostwand haben diesen Gipfel in den Blickpunkt der Extremalpinisten ge­rückt. Das hier vorgestellte Couloir Chaud gilt als die steilste Eisführe der südlichen Westalpen.

Couloir Chaud

Victor Chaud, E. Cortial, 14. 7. 1950. Durchschnittsneigung 58°, steilste Stelle 90° (kurze Passage), im mittleren Teil einige Seil­längen ständig zwischen 70 und 80°. Im unteren Teil Eisschlag­gefahr vom Violettesgletscher, in der ganzen Route Steinschlag­gefahr, vor allem, wenn sich Seilschaften am Nordostgrat befin­den. Meist gute Sicherungsmöglichkeiten, meist an den felsigen Couloirrändern, einige Haken empfehlenswert, gutes Eisgerät un­bedingt erforderlich, wie auch einige Eisschrauben verschiedener Länge. Wandhöhe 550 Meter, Zeit vier bis zehn Stunden (je nach Verhältnissen).

Stützpunkt

Keiner! Am besten Biwak am nördlichen Ufer des Nevé Pellisier (etwa 2400 m) oder am Einstieg (etwa 3000 m).

Übersicht

Das Couloir gliedert sich in drei Teile; das untere Drittel ist etwa 275 Meter hoch und etwa 55° steil. Das zweite Drittel bietet die Hauptschwierigkeiten mit einer Durchschnittsneigung von 60° und einigen (kurzen) senkrechten Stellen auf eine Länge von 150 Me­ter. Im oberen Drittel legt sich die Wand zurück.

Zugang

Von Ailefroide, dem westlichen Ufer des Torrent du St-Pierre, Richtung Pré du Mdme. Carle folgend und nach 15 Minuten nach Inks gegen die Hänge des Mont Pelvoux emporsteigen. Rechts einer großen Schlucht fällt eine Rampe ins Auge, rechts derer eine zweite, kleinere Rampe auffällt. Über diese auf deutlichen Wegspu­ren empor, oben eine Schlucht querend (Kletterstelle II) erreicht man nach etwa einer Stunde eine flache Stelle, wo sich der Weg teilt. Über die linke Wegspur in südlicher Richtung in vielen Kehren gegen „Riéau des Planes“. Auf etwa 2350 Meter Höhe hält man sich nach links (südlich) gegen das Schneefeld „Nevé Pellisier“, mehrere gute Biwakplätze, 21/2 Stunden von Ailefroide. Rechtshal­tend (nördlich) über das Schneefeld hinweg bis unter einen Fels­riegel, den man durch ein Couloir auf ein zweites Schneefeld über­windet, das man ebenfalls quert. Eine weitere Felszone wird durch einen kurzen Kamin (Ill) erstiegen, worauf man auf den Violettes­gletscher und unter das Couloir Chaud gelangt, etwa 3000 Meter, vier bis fünf Stunden von Ailefroide.

Führe

Siehe Detailskizze.

Abstieg

Vom Ausstieg des Couloirs quert man nach rechts (Norden) bis man zu Abstiegsspuren gelangt. Am linken Ufer über den Gletscher hinab bis zu einem Felsgrat, der den Gletscher teilt. Man folgt dem Grat, bis rechts (Süden) ein Couloir hinableitet auf ein Gletscher­plateau; durch dieses hinab und den Gletscher queren bis an den Fuß des Nordostgrates der Trois Dents du Pelvoux (Eisschlagge­fahr!). Von der Schulter unter dem Gratbeginn leiten zwei Couloirs nach Süden hinab. Man folgt dem linken (Ill, evtl. abseilen) bis auf ein Schneefeld, das sich sogleich teilt. Man folgt dem rechten Zweig „Nevé Pellisier“ auf seiner linken östlichen Seite. Unter erreicht man eine Moräne, über die man auf ihre nördliche Seite absteigt zu einem langgezogenen Grashang „Riéau des Planes“. Weiter absteigen wie unter „Zustieg“ beschrieben nach Ailefroide (vier bis fünf Stunden vom Gipfel).

Literatur

„Le Massif des Ecrins“ L. Devies, Teil Ill Ailefroide, Pelvoux (Arthaud, Paris, 1978). „Le Massif des Ecrins“ G. Rebuffat (Denoe Paris 1974). „Massif des Ecrins, Meije — Pelvoux“, 1:25000, Nr. 241 Institut Géographique National.