85 Jahre Weidener Hütte – Weerberg

 
 

Das Weertal in den Tuxer Voralpen ist eine der Tiroler Regionen, die oft übersehen wer­den. Hier hat die Hütte der Sektion Weiden ihren Standort und blickt auf eine 85-jährige Hüttengeschichte zurück.

Wer dem lauten Trubel über­laufener Gebiete lieber aus dem Weg geht und aufge­schlossen ist für die kleinen Schönheiten der Berge,der wird das Weertal zu schätzen wissen.Dort liegt auf der Nafing Alm in 1799 Metern Höhe die Weidener Hütte. Ehemals ein einfaches Berggasthaus, diente sie einst dem sommerlichen Saumver­kehr über das Geiseljoch. Heute verkehren hier viele Mountainbiker, die auf der frü­heren Transalp-Route, die an der Hütte vor­beiführt, nach Italien queren und sich ger­ne auf der Hütte ein wenig von den Stra­pazen erholen. Denn der Aufstieg hat es in sich: Vom Talort Weer bis zur Weidener Hütte müssen immerhin knapp 1300 Höhen­meter bewältigt werden! Wer es lieber gemütlich mag, stellt das Auto auf einem kleinen Parkplatz am Ende der Teerstraße beim Gasthof Innerst ab und steigt die Forststraße hinauf. Von hier kann man die Weidener Hütte in einem zweistündigen Marsch leicht erreichen – und sie im Som­mer vorher schon hören:Denn das Glocken­geläute der Milchkühe auf der Nafing Alm ist schon von weitem vernehmbar. Diese lie­fern dann auch Milch und Käse,die von der Hüttenwirtin Sylvia Lechner angeboten wer­den. Zwar wird nicht mehr direkt auf der Nafing Alm gekäst, doch der im Tal herge­stellte Graukäse schmeckt den Gästen der Weidener Hütte pur oder geschmolzen zu Knödeln.

Weidener Huette 00Auf den Geschmack sind wohl schon eini­ge Besucher gekommen: Seit 1989 belegte die Hütte beim Hüttentest der JDAV unter 200 Hütten mehrmals den ersten Platz und ist bis heute unter den sieben besten Hütten.

Hüttenerwerb

Nachdem die Sektion Weiden das Weertal als Arbeitsgebiet von der Sektion Hall in Tirol übernommen hatte, pachtete der Sektions­vorstand 1925 die Gastwirtschaft Zínnerst am Ortsende von Weerberg und richtete sie rasch zur Unterkunft her.Obwohl hier 1926 bereits 425 Übernachtungen abgerechnet werden konnten, erwies sich die Lage als ungünstig und für einen zweckmäßigen Ausbau zu kostspielig.

Als dann die Weidengenossenschaft im Weertal das Almgasthaus „Zur Nafing“ auf derNafingAlm zum Kauf anbot,erschien das mit Schankkonzession angebotene Wirts­haus – schon früher ein wichtiger Stütz­punkt zwischen Weerberg und Lanersbach – preisgünstiger.Ostern 1927 wurde die Sek­tion Eigentümerin der „Nafing Hütte“. Im Sommer des gleichen Jahres wurde die Hütte offiziell eingeweiht und erhielt den Namen „Nafing Hütte“. Dazu berichtet der ehemalige Ehrenvorsitzende Georg Eschen­bacher,damals 85 Jahre Weidener Huette 00zwölf Jahre alt:„…ich schlief sofort ein.Von dem Gepolter und der Musik die halbe Nacht hindurch in der Gaststube habe ich nichts bemerkt.“ Obwohl das Arbeitsgebiet bis dahin unbekannt war, wuchs die Besucherzahl auf beiden Hütten; vor allem fand die Nafing Hütte als Stütz­punkt in einem einzigartigen Skitouren-gebiet immer größeren Zuspruch. Arbeit­same Mitglieder nahmen ständig Verbesse­rungen an den beiden Hütten vor, legten Wege an,markierten diese,stellten Hinweis­tafeln auf und versahen die Hüttenberge mit Gipfelbüchern.

Kriegsjahre

Infolge der 1933 von den Nationalsozialis­ten für Reisen nach Österreich verhängten 1000-Reichsmark-Sperre gingen die Besu­cherzahlen auch auf der Nafing Hütte dras­tisch zurück.Man erwog sogar,die Hütte zu schließen. Aufatmen konnte die Sektion 1936, als die Reisesperre aufgehoben wur­de.Trotz Kriegswirren ging es in den Folge­jahren bergauf: Die Übernachtungszahlen stiegen, da gerade im Winter immer mehr Besucher verzeichnet wurden. Aus Platz­85 Jahre Weidener Huette 01gründen war eine Erweiterung der Hütte notwendig: 1941 konnte ein Waschhaus als Fundament für den künftigen Erweiterungs­bau errichtet werden.1945 schließlich wur­de auch die Nafing Hütte wie alle Hütten des DAV in Österreich von den Siegermächten beschlagnahmt und zur treuhänderischen Verwaltung an den OeAV übergeben.

Nachkriegszeit und Einweihung der „Weidener Hütte“

1952 kamen in zwei Gruppen erstmals nach dem Krieg über 60 Mitglieder der Sektion Weiden zur Nafing Hütte. Da diese Fahrten in den Folgejahren immer größeren Anklang fanden, gelang es, die Hütte nach und nach mit den notwendigen Einrichtungsgegen­ständen,Decken und Geschirr,zu versorgen. Am 1.Juli 1956 wurde die Hütte an die Sek­tion Weiden zurückgegeben,so dass im Früh­jahr 1957 beim Bezirksgericht in Schwaz die Eintragung ins Grundbuch vollzogen