Grand Capucin Ostwand – Tourentipp KLETTERN – Montblancgruppe

 
 

W Bonatti. L Ghigo, 1951

Als Walter Bonatti die Ostwand des Grand Capucin durchstieg, wurde damit eine neue Aera des Felskletterns in der Montblanc­gruppe eingeleitet. Allerdings ver­lor die Route, als »Hakenrassel« abgestempelt, im Zeitalter der aufblühenden Freikletterbewe­gung viel an Nimbus und damit an Beliebtheit. Dies änderte sich 1977 schlagartig: der französische Freikletterpionier Jean-Claude Droyer startete den ersten Ver­such einer freien Begehung und berichtete von extremen Schwie­rigkeiten, aber auch von begei­sternden Kletterstellen. In den folgenden Jahren bemühten sich viele Spitzenleute um die erste, völlig freie Begehung. Diese gelang schließlich 1983 den französischen Lokalmatadoren Eric Escoffier und Thierry »Turbo« Renault mit Hilfe einer kleinen Umgehungsvariante in der »40-Meter-Wand«. Bei freier Kletterei zählt die »Bonatti« zweifellos zu den anspruchsvoll­sten, aber auch schönsten Routen im Montblancgebiet. Es dominie­ren anstrengende Piaz- und Rißkletterei in sehr steilem Granit, die hohe Anforderungen an die Aus­dauer stellt. Alle Haken stecken. Wandhöhe etwa 470 Meter (14 Seillängen).

Schwierigkeiten: VIIIbis VIII (I SL, franz. 6 c bis 7 a), sonst meist VI und VI+, nur die letzten zwei Seillängen leichter. (Konventio­nell: AI/VI—). Zeit: 6 bis 9 Stunden.

Ausgangspunkte: Rifugio Tori­no, 3323 Meter; Aiguille du Midi, 3842 Meter; Cosmiques-Hütte, 3617 Meter.

Zugänge: a) Von der Turiner Hütte durch das obere Becken des Glacier du Géant zum Wandfuß des schon von weitem sichtbaren Grand Capucin (bequemste Mög­lichkeit), 1 bis 1 1/2 Stunden. b) von der Aiguille du Midi absteigen zum Col du Gros Rognon und unter den Wänden des Montblanc du Tacul entlang, bis man nach der Pyramide du Tacul nach rechts durch eine Spaltenzone ins obere Becken des Géantgletschers gelangt. 2 bis 2 1/2 Stunden.

Übersicht: Vom Wandfuß im linken Firncouloir empor, bis man nach rechts in eine stark geglieder­te Bänderzone ausweichen kann. Schräg rechts haltend über Bänder und Stufen empor und wieder absteigend nach rechts, bis die Wand steil und plattig wird. Hier Einstieg. Nach rechts querend bis ins Wandzentrum (Biwakhöhle). Von dort du rch Riß- und Verschnei­dungssysteme rechts der Gipfel­fallinie empor bis zum Ausstieg unter der markanten Kapuze in die Nordwand.

Abstieg: Vom Ausstieg aus der Nordwand kurz nach Westen abklettern (II) zu eingerichteter Abseilstelle. Zweimal 40 Meter abseilen in flacheres Gelände. Nun am linken Rand des Couloirs abseilen bis zum Wandfuß (einge­richtete Abseilpiste).

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