Skitouren in der Inneren Wildschönau – Großen Beil – Sonnenjoch Ostgipfel – Gressenstein – Lämpersberg – Kleines Beil – Kitzbüheler Alpen

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Wildschönau — das ist seit je ein Zauberwort für Skitourengeher und Tiefschneefüchse aus Bayern und Tirol. Wer kennt den Lämpersberg nicht, das Feldalpenhorn, das Schwaiberghorn? Bis in die Schwarzenau (938 m) konnte man schon immer mit dem Auto fahren, später dann auch mit dem Bus, und die Gipfelbesteigungen waren dann keine allzu großen Angelegenheiten mehr. Damals wurde kaum einem bewußt, daß sich dieses Tal noch weiter nach Süden fortsetzt. Es ist im mittleren Teil tief eingeschnitten und wird zudem von dichtem Wald umrahmt — so gibt es auch für Neugierige kaum etwas zu sehen. Nur ein paar Liebhabern von Ruhe und Einsamkeit war schon früher bekannt, daß sich zuhinterst im Tal noch ein besonderer Skiberg versteckt: das Große Beil. Sie kannten die Idealhänge zwischen Gipfel und Waldrand, 600 Höhenmeter schönster Abfahrt. Um das gelobte Land zu erreichen, mußten sie allerdings zwei Hindernisse hinter sich bringen: einen Talmarsch von eineinhalb Stunden und eine unangenehm steile Stufe im Wald. Dafür konnten sie sicher sein, einen ganzen Berg für sicFeldalpenhornben. Gerade die Wildschönau dokumentiert die Entwicklung des Wintersports während des letzten Jahrzehnts in ganz besonderer Weise. Die Einsamkeit im innersten Tal ist verschwunden. Es gibt jetzt eine stets geräumte Straße, ein Gasthaus (Schönangeralm, 1181 m), Langlaufloipen, und die Gipfel rundum sind geradezu überzogen von Spuren und Wedelgirlanden — selbst die reichlich steilen und teilweise recht lawinengefährdeten Osthänge von Lämpersberg und Kleinem Beil. Die Tourengeher haben sich in diesem Zeitraum vervielfacht. Kein Wunder also, daß sie immer neuen »Auslauf« suchen. Man kann heute durchaus mit gutem Gewissen über das Gebiet berichten, ohne gleich als »Verräter« dazustehen. Sollte Ihnen die Wildschönau wirklich noch kein Begriff sein? Dann darf ich sie Ihnen mit wenigen Worten vorstellen. Dieses Hochtal mündet bei Kundl ins Inntal. Doch, doch, das ist schon richtig! Die Wildschönauer Ache hat sich nördlich von Mühltal so tief in die Felsen eingefressen, daß eine wilde Schlucht entstanden ist (Kundler Klamm). So war man gezwungen, einen anderen Zugang zu suchen. Heute führt eine gute Straße von Wörgl über Niederau und den Oberauer Sattel (936 m) in das innere Tal. Auch hier gibt es die für die Kitzbüheler Alpen obligatorischen Pistengebiete: eines am Markbachjoch, eines am Schatzberg. Hier stehen auch die dazugehörigen Hotels, Gasthäuser, Pensionen …, und selbstverständlich wird auch für viele Loipen gesorgt. Letztere waren wohl auch der Auslöser dafür, plötzlich noch den allerinnersten Winkel des Tales zu erschließen, der vordem einen richtigen Winterschlaf gehalten hatte. Doch nun zu den Skitouren. Wie wollen Sie es haben? Steil und aufregend? Mit Firn oder mit Pulverschnee? Oder eine Tour mit freiem Blick nach Süden? In der inneren Wildschönau wird Ihnen alles geboten — außer wirklich leichten, bequemen Fahrten. Sie können im Hochwinter kommen (bei nicht zuwenig Schnee), aber auch im Frühjahr bis in den April hinein. Es gibt sechs Berge mit sechs Abfahrten. Eines jedoch muß stimmen: Der Schnee darf nicht lawinengefährlich sein!

Weite Hänge am Großen Beil
Das klassische Ziel des Gebietes ist das Große Beil (2309 m), der Hauptgipfel der Wildschönau und von Norden gesehen ein markanter Felsdreikant. Beim Anmarsch unten im Talboden zwischen der Schönanger und der Kundlalm ist wahrlich nichts zu ahnen von den skifahrerischen Qualitäten dieses Zieles. Und vorab gilt es auch, eine recht unangenehme Waldstufe zu überwinden. Das Gelände ist reichlich steil, sogar Felsrippen stellen sich als Hindernis in den Weg. Man muß sich geschickt hindurchschlängeln, wobei die Baummarkierungen des Sommerwegs ein wenig bei der Suche helfen. Außerdem führt sowieso fast immer eine dicke Spur zum Gipfel hinauf. So plötzlich, wie der Wald in 1650 Metern Höhe aufhört (die Stufe ist 200 Meter hoch), so plötzlich enden auch die Schwierigkeiten. Jetzt folgen die weiten Wiesen der Gressensteinalm, Karböden und kurze Steilstufen, weites, freies Gelände bis hinauf zum alles überragenden Gipfel. Etwa dreieinhalb Stunden braucht man von der Schönangeralm aus, wenn man in einer guten Spur laufen kann.
Gewisse Probleme bringt allerdings die Wahl der Abfahrtsrichtung mit sich; auf den Südosthängen des Großen Beils verdirbt der Pulverschnee relativ rasch, und der Firn weicht dort tief auf. Man wird sich also schon beim Aufstieg überlegen, welches Ziel im Revier heute die besten Abfahrtsbedingungen verspricht. Für jene, die die Waldstufe scheuen, habe ich einen Geheimtip. Er erfordert zwar mehr Zeit und Mühe, schenkt dafür jedoch eine problemlose Abfahrt: Am Waldrand klebt man die Felle noch einmal auf, wandert zum Siedeljoch hinüber und steigt dann im weiten Gelände — östlich des Kammes — zum Hengstkogel (1803 m) hinauf. Das dauert gut 30 Minuten. Jetzt fährt man, sich anfangs etwas rechts haltend, durch den lichten Wald hinab zur Schlagalm und gelangt schließlich über eine Lichtung wieder in den Talboden bei der Kundlalm.
Aufstieg: 1120 Höhenmeter; 4 Stunden.

Geschützte Mulden am Gressenstein
Lassen die Schneeverhältnisse am Großen Beil zu wünschen übrig, ist das nur halb so schlimm. Schließlich gibt es über der Gressensteinalm noch drei weitere Möglichkeiten. Relativ geschützte Ostund Nordmulden bietet der Gressenstein (2216 m), ein unscheinbarer Kopf im Westen des weiten Beckens. Gleichmäßige Hänge leiten gegen den Kamm empor. Erst ganz am Schluß wird das Gelände etwas steiler, und man muß dann unter dem Grat (Ostseite!) auf die Schneeverhältnisse achten.
Aufstieg: 1040 Höhenmeter; 3 1/2 Stunden.

Pulverschnee am Sonnenjoch
Am längsten aber hält sich der Pulverschnee am Sonnenjoch (2287 m) mit seiner rein nordseitigen Mulde. Warum wird dieser Gipfel seltener als das Große Beil bestiegen? Ich weiß es nicht — es ist wohl eine Frage des Namens, des Bekanntseins. Über eine kurze, mit Riesenblöcken dekorierte Steilstufe erreicht man das erwähnte, hindernislose Gipfelkar, herrliche Böden und Mulden, die bis hinauf zum abgeflachten, erstaunlich geräumigen Gipfel führen. Auf diesem Hochplateau fände ein ganzes Dorf Platz! Das ist so recht eine Stelle zum Faulenzen, zum InderSonneLiegen. Hin und wieder blinzelt man dann hinüber zu den Bergen im Süden, den »Großen« der Kitzbüheler Alpen: der Pallspitze, dem Torhelm, dem Katzenkopf mit ihren felsdurchsetzten Nordflanken. Und durch die Lücken dazwischen schauen die scharfgeschnittenen Gipfel der Reichenspitzgruppe.
Und die Abfahrt dann! Mit dem Zwischenanstieg zum Hengstkogel sind es immerhin 1250 Höhenmeter voll Genuß. Aufstieg: 1250 Höhenmeter; 4 Stunden.

Einsame Abfahrt vom Sonnenjoch Ostgipfel
Es gibt auch noch einen Sonnenjoch Ostgipfel (2250 m), der durch einen zwar kurzen, aber ausgesprochen scharfen Grat mit dem Hochplateau des Sonnenjochs verbunden ist, einem Grat, der sich mit Ski nicht begehen läßt. So stellt dieser Ostgrat eine völlig gesonderte Abfahrt dar, eine Strecke mit ganz eigenem Charakter und mit erstaunlich wenigen Spuren. Vom Siedeljoch ziehen Böden (sie sind in der oberen Hälfte ausgesprochen weit) zum Sonnenjoch empor, ein stark gewelltes, etwas unübersichtliches Gelände mit flachen Absätzen und kleinen Steilstufen, wo sich jeder seine persönliche Route suchen kann. Im unteren Teil folgt man beim Aufstieg weitgehend dem hier noch ausgeprägten Rücken, weiter oben bieten dann die linksseitigen Böden die schönsten Möglichkeiten. Später bei der Abfahrt kann man über diese endlos weiten Hänge unbehindert zu Tal jagen und wedeln.
Man darf sich nur nicht zu weit nach rechts (Süden) locken lassen, sonst landet man im Langen Grund statt in der Wildschönau. Und diese Verlockung ist groß, gehört doch die Strecke hinab nach Erlau zum Lohnendsten in den gesamten Kitzbüheler Alpen. Es gibt jedoch auch einige Nachteile: sehr langes Tal, Südlage, steil und damit nicht lawinensicher. Aufstieg: 1060 Höhenmeter; 4 Stunden.

Die Zugänge
Die vier bisher beschriebenen Berge liegen über dem Talschluß der Wildschönau im Bereich der Gressensteinalm, sie haben also in der unteren Hälfte den gleichen Zugang und die gleiche Abfahrt. Zum Lämpersberg jedoch und zum Kleinen Beil steigt man direkt vom Tal aus an. Beide Abfahrten ähneln sich stark, beide führen zudem durch ausgesprochen lawinengefährdetes Gelände, über diese typischen Erlenhänge und über steile Graspleisen. Wer noch länger leben will, der sollte hier wirklich nur bei absolut sicheren Verhältnissen unterwegs sein.

Steiler Anstieg auf den Lämpersberg
Die Ostseite des Lämpersberges (2202 m) wird von einem im unteren Teil als Graben eingeschnittenen Bach entwässert. Er zeigt die Richtung für den Aufstieg an. Man steigt am besten links von ihm (auch rechts des Baches ist der Anstieg möglich) empor und überwindet ein paar recht steile Stufen, bevor man in ein schönes Kar kommt. Mit seinem im Verhältnis sanften Boden stellt es eine richtige Erholung dar nach dem jähen Weg bisher. Zum Gipfel zu wird allerdings das Gelände noch einmal steil. Man spurt schräg von links nach rechts empor.
Aufstieg: 1090 Höhenmeter; 4 Stunden.

Zum Schluß: Kleines Beil
Für das Kleine Beil (2196 m) gilt fast das gleiche wie für den Lämpersberg. Auch hier gibt es einen »richtungsweisenden« Graben, auch hier steigt man südlich davon auf einer Art Rampe empor, auch hier kommt man in ein — etwas kleineres und steileres — Kar (mit der Seefeldalm). Hier steigt man allerdings gerade über einen Hang zum Gipfel hinauf (Ostseite, Vorsicht wegen Triebschneeablagerungen!). Das Ganze ist das Nonplusultra einer Steilstrecke, knapp 1000 Höhenmeter bei einer Entfernung von nur zwei Kilometern! Und noch etwas ist bei diesen zwei Bergfahrten gleich: Die Aufstiegszeit beträgt jeweils — bei vorhandener Spur— drei Stunden.
Aufstieg: 1010 Höhenmeter; 3 Stunden.
Haben Ihnen, liebe Tourenfreunde, Text und Bilder den Mund wäßrig gemacht? Dann fahren doch auch Sie einmal kurz entschlossen in die innere Wildschönau.

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