Sicher unterwegs in Eis und Firn

 
 
Bei einer aufmerksamen Seilschaft verläuft ein Spaltensturz normalerweise harmlos. Bricht eines der Seilschaftsmitglieder in eine Spalte ein, so halten die anderen den Sturz durch Stemmen in die Gegenrich­tung. Wenn das Seil beim Gehen leicht ge­spannt ist, lässt sich ein Sturz häufig verhin­dern. Dennoch muss die Spaltenbergung mit Hilfe der »losen Rolle« von jedem Alpi­nisten perfekt beherrscht werden. Im Falle eines Spaltensturzes (meist) des Seilersten halten die übrigen Seilschaftsmitglieder den Gestürzten. Der Mittelmann sichert sich mittels Prusikschlinge am straffen Seil, um sich vom Anseilknoten lösen zu können. Nun wird ein Fixpunkt geschaffen, der die Last des Gestürzten hält. Bei Blankeis sind dies zwei Eisschrauben, bei Neuschnee oder Firn erfolgt die Fixierung an einem T-Anker (siehe Kasten). Im T-Anker/Eisschraube wird das Seil per Prusik fixiert und der Hinter­mann kann die Last des Gestürzten langsam auf den Fixpunkt übertragen. Nun gehen beide Bergsteiger zum Spaltenrand (immer mit Selbstsicherung per Prusikschlinge am fixierten Seil!) und lassen das frei geworde­ne Restseil doppelt in die Spalte hinunter zum Gestürzten. Dieser hängt das Seil mittels Karabiner (besser mit Seilrolle) in seinen Gurt. Nachdem das Zugseil mit einer Rücklaufsperre gesichert wurde, können die beiden Bergsteiger ihren Kollegen mit vereinten Kräften aus der Spalte befreien. Probleme können sich durch das Einschneiden des Zugseils am Spaltenrand ergeben. Um dies zu vermeiden, wird ein Pickel (per Kurzprusik am Fixseil sichern!) unter das Rettungsseil gelegt. Wenn die Spaltenbergung mit der »losen Rol­le« nicht möglich ist, muss sich der gestürzte Bergsteiger selbst aus der Spalte befreien, indem er mit zwei Prusikschlingen am fixierten Seil aufsteigt, während seine Kameraden das Seil auf Zug halten. Passiert ein Spaltensturz bei einer Zweier-Seilschaft, so ist diese Art der Selbstrettung die einzige Möglichkeit.