klamm«-Klettersteiges verläuft meist hoch über dem rauschenden Rußbach. Fünf unterschiedliche Seilbrücken sor­gen für Action wie in einem Hochseilgar­ten. Besonderes Highlight ist der so ge­nannte »Gatt«-Sprung, ein fotogener Spreizschritt von einer Klammseite zur anderen. Wer nicht zwei Meter groß ist, muss tatsächlich springen oder sich am Stahlseil auf die andere Seite hanteln.

Der obere Teil des Klettersteigs ver­läuft durch die leicht überhängende Gamsleckenwand und ist technisch noch eine Spur schwieriger als der Klammab­schnitt. Beim Zupacken darf man hier nicht zimperlich sein. Wenig zimperlich waren allerdings auch die Erbauer. Zahl­reiche Verankerungen der Seilbrücken wurden mitten durch die Bäume getrie­ben. Man hat das Gefühl, dass hier Lebe­wesen mit totem Fels verwechselt wur­den. Hätte man die Brücken nicht auch anders verankern können?

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Tauschhandel auf dem Blauspitz

Die Kunde, dass der »Homo ferratistus« weitaus verbreiteter (und zahlungswilliger) als der einfache Kletterer ist, drang bald auch in das etwas abgelegene Kalser Tal am Fuße des Großglockners. Es dau­erte nicht lange, bis der Kaiser Bergfüh­rerverein unter der Leitung von Anton Riepler einen schönen mittelschweren und auch luftigen Steig über den Süd­westgrat auf den Blauspitz legte. Dass da­bei eine durchaus beliebte klassische Klettertour im IV. Schwierigkeitsgrad dran glauben musste, ist nur wenigen verdutzten einheimischen Kletterern auf­gefallen. Die herrliche Aussicht auf den gegenüberliegenden Großglockner bleibt aber dieselbe, und die Klettersteiggeher bekamen sogar ein eigenes Übungsge­lände bei der Bergstation dazu.

Das Errichten von Klettersteigen auf ehemaligen Kletterrouten ist leider eine Unsitte. Obwohl der Unterschied zwi­schen einer mit zahllosen Bohrhaken ver­sehenen Plaisir-Route und einem Kletter­steig oft nur noch schwer zu erkennen ist, sind es meist leichte klassische Routen, die dem Drahtseiltourismus zum Opfer fallen. Einzig positiver, von Kletterern er­kannter Aspekt: Die Massen sind wenig­stens kanalisiert, da sie in der Regel wie angeleint am Drahtseil und auf den mar­kierten Wegen bleiben. Am Blauspitz sind es nun eben die Klettersteiggeher, die in einer knappen Stunde von der Bergstation den Südwestgrat stürmen.

Schönwettergarantie in den Lienzer Dolomiten

Nur wenige Kilometer Luftlinie südlich der Blauspitze, abgeschirmt von Alpen­hauptkamm, befinden sich die Lienzer Dolomiten. Diese begünstigte Südlage wirkt sich auch positiv auf das Wetter und das Gemüt der Lienzer aus. Die be­sten und traditionsreichsten Kletter­wände liegen rund um die Karlsbader Hütte, auf der man auch oft den uner­müdlichen Alfred Thenius antrifft, der im Alter von 81 (!) Jahren den langen alpinen »Sepp-Oberlechner-Klettersteig« (C/D) alleine (!) errichtete und auch für den »Ari-Schüberl-Kletterstieg« auf die Große Sandspitze verantwortlich zeich­net.

Die neueste Klettersteig-Kreation stammt jedoch nicht von Alfred Thenius und beginnt etwas tiefer unten im Tal. Aug‘ in Aug‘ mit der beliebten »Bügelei­senkante«, eine Klettertour im III. Schwierigkeitsgrad, führt der »Laserz-Klettersteig« durch die fast 400 Meter ho­hen Westabbrüche der Kleinen Laserz‑